Umgang mit dem Thema Legasthenie bei Schularbeiten und der Reife- und Diplomprüfung aus Deutsch an der hlbla St. Florian

Den Empfehlungen des Österreichischen Kompetenzzentrums für Deutschdidaktik folgend gilt folgende Regelung:

  • Es gibt keine Unterschiede in der Beurteilung zwischen Legasthenikern und Nicht-Legasthenikern.
  • Alle KandidatInnen, die eine zertifizierte Legasthenie nachweisen, erhalten jedoch die Möglichkeit, die Prüfung auf einem PC zu verfassen, auch wenn dies nicht die gesamte Klasse tut.
  • Alle KandidatInnen, die eine zertifizierte Legasthenie nachweisen, erhalten 25 % mehr Arbeitszeit.

Diese Vorgangsweise stützt sich auf die Bestimmung von Legasthenie, wie sie in den Erlässen des BMBF festgehalten ist. Diese lautet:
„Von Lese‐/Rechtschreibstörung im klinisch‐psychologischen Sinn wird gesprochen, wenn angenommen werden kann, dass die beim Lesen oder Rechtschreiben zugrunde liegenden Prozesse der Informationserfassung, Informationsverarbeitung und Informationswiedergabe nicht ausreichend oder angemessen funktionieren. Sie kann dadurch auffallen, dass die Fehlersymptomatik auch bei Optimierung des schulischen Förderangebotes überwiegend weiter bestehen bleibt (Resistenzkriterium) oder in anderer Form weiter existiert Persistenz).“ (Handreichung, S. 10).

Leistungsbeurteilung Legasthenie: die gesetzliche Situation

Zu den Prinzipien der Leistungsfeststellung und Leistungsbeurteilung bei Lese‐ /Rechtschreibschwäche bzw. Legasthenie heißt es in derselben Handreichung des BMBF (=BMUKK) von 2007:
Für die Leistungsfeststellung und die Leistungsbeurteilung bei Lese‐/Rechtschreibschwäche (abgekürzt LRS) bzw. Legasthenie sind die gesetzlichen Bestimmungen der Leistungsfeststellung und Leistungsbeurteilung anzuwenden. […] Die besondere Berücksichtigung der LRS ergibt sich durch eine intensive, störungsbezogene Ausschöpfung der gesetzlich vorgesehenen Möglichkeiten der Leistungsfeststellung und Leistungsbeurteilung.
Unter störungsbezogener Ausschöpfung wird hier verstanden, dass nach Möglichkeit jene Quellen der Leistungsfeststellung und Leistungsbeurteilung besonders herangezogen werden, die von der Störung (im gegebenen Fall die LRS) nicht betroffen sind und dass insbesondere auch die vorgesehenen Möglichkeiten der persönlichen Stützung ausgenützt werden.“

Das bedeutet für die Leistungsbeurteilung bei der schriftlichen Reifeprüfung in Deutsch:

  • Es gibt keine grundsätzlich andere Art der Beurteilung von legasthenen KandidatInnen und es gibt auch keine automatisch mildere Benotung.
  • Die ausgewogene Beurteilung aller Aspekte der schriftlichen Arbeit ist durch die Prinzipien der Leistungsbeurteilung der kompetenzorientierten schriftlichen Reifeprüfung gegeben. Diese sieht vier Dimensionen vor, darunter auch die Schreibrichtigkeit, welche in einer sinnvollen Gewichtung zu einander stehen, bei dem die Schreibrichtigkeit jedenfalls nicht überwiegt. Die Leistungsbeurteilung ist ferner dem Prinzip „Qualitative Beurteilung der Leistung statt Zählen der Fehler“ verpflichtet. Was die Schreibrichtigkeit betrifft, kommt darüber hinaus das Prinzip „type statt token“ zur Anwendung, das heißt, dass Fehler nicht summiert, sondern nach Kategorien geordnet werden und dieselbe Fehlerkategorie nur einmal gewertet wird. Dies ist eine der wesentlichsten Maßnahmen, um das Problem der Beurteilung legasthener KandidatInnen zu entschärfen.
  • Es wird von der Ausschöpfung der gesetzlichen Möglichkeiten durch besondere Stützungsmaßnahmen auch während der Reifeprüfung Gebrauch gemacht.

Ausschöpfung der gesetzlichen Möglichkeiten durch besondere Stützungsmaßnahmen während der Reifeprüfung

Ohne das Gleichheitsprinzip zu verletzen (und damit die Prüfung von legasthenen KandidatInnen abzuwerten), haben sich international zwei Maßnahmen bewährt, die legasthenen KandidatInnen faire Chancen bei schriftlichen Prüfungen sichern sollen:

  • die Verlängerung der Prüfungszeit, um das langsamere Arbeiten zu kompensieren
  • die Verwendung eines Computers, um die Schwierigkeiten mit der Handschreibung und der erhöhten handschriftlichen Korrekturen zu kompensieren.

St. Florian, 20.1.2016

 Mag. Marina Zangerl