Die Fachtagung „Lebensmittel Wild“ an der Höheren Landwirtschaftlichen Schule St. Florian hat aufgezeigt, worauf Menschen bei ihrem Ernährungsverhalten derzeit achten. Kommt Fleisch zur Abwechslung auf den Teller, dann soll es aus der Region und tiergerecht gehalten sein, ausgezeichnet schmecken und obendrein gesund sein.

So war es klar, dass diese spezielle österreichweite Fachtagung an der HLBLA St. Florian auf großes Interesse bei Fachleuten und Konsumenten traf. Gemeinsam mit der OÖ. Landwirtschaftskammer, dem OÖ. Landesjagdverband, dem Genussland OÖ, der Berufsschule Linz 10 und der ARGE Wildbret Linz Land organisierte die Florianer Schule diese Tagung zum Thema Lebensmittel Wild. Erstmals standen die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede von freilebendem Wild wie auch des Farmwildes bei einer Fachtagung im Fokus des Interesses.

Direktor Dr. Hubert Fachberger begrüßte zahlreiche Ehrengäste, wie Landesrat Max Hiegelsberger, BBKO Ing. Johannes Gruber, Hofrätin Mag. Maria-Theresia Wirtl, Bundesinnungsmeister Willibald Mandl, Direktorin der BS Linz 10 Mag.in Marietta Dini, Landesjägermeister Sepp Brandmayr, Geschäftsführer des OÖLJV. Mag. Christopher Böck und Bezirksjägermeister Engelbert Zeilinger.

Der anspruchsvolle Inhalt der Expertentagung wurde an den Referentinnen und Referenten aus Forschung, Wirtschaft und Kulinarik sichtbar: o. Univ.-Prof. Dr. Walter Arnold vom Institut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinär-Medizinischen Universität Wien, Prof. Dr. Werner Beutelmeyer, Geschäftsführer des Market Instituts (Linz), Herr Mag. Christopher Böck, Geschäftsführer und Wildbiologe des OÖ. Landesjagdverbandes, DI Christine Braunreiter, GF des Landesverbandes landwirtschaftlicher Wildtierproduzenten von Oberösterreich und Salzburg von der OÖ. Landwirtschaftskammer, Direktor Dr. Walter Bremberger von der Wirtschaftskammer OÖ., Toni Mörwald, Haubenkoch und Geschäftsführer mehrerer Restaurants der Mörwaldgruppe und Doris Weinbergmair, Verfasserin einer Masterarbeit an der BOKU Wien.

Moderatorin Doris Moser, GF der Werbeagentur PMDM, führte durch das Programm und stellte gleich zu Beginn an Landesrat Max Hiegelsberger eine Frage zur Bedeutung des Wildfleisches für die menschliche Ernährung aus seiner Perspektive: „Der Mensch von heute liebt die anspruchsvolle Abwechslung in seinen Essgewohnheiten und die Gewissheit einer ehrlichen, tierwohlgerechten Nutzung von Fleisch und da gehört Wild zur Spitzengruppe der Lebensmittel“, so der Landesrat.

Geschäftsführer des OÖ. Landesjagdverbandes Mag. Christopher Böck betonte in seinen Ausführungen, dass sowohl die Farmwildhaltung als auch die Jagd zur Abdeckung der Wildbretnachfrage notwendig sind. In Österreich kann diese derzeit nicht durch einheimisches Wild gedeckt werden.

Es liegt in der Natur der Sache, dass bei der Farmwildhaltung die Einhaltung der Standards der Hygienemaßnahmen leichter zu erreichen ist als bei der Jagd. Ernährungsphysiologisch besteht allerdings ein Vorteil beim freilebenden Wild. DI Christine Braunreiter ging in ihren Ausführungen darüber hinaus auf die Entwicklung und rechtlichen Rahmenbedingungen der Farmwildhaltung in Österreich ein. Rund 35.000 Stück Wild in der Farmwildhaltung gibt es derzeit in Österreich. Davon entfallen ca. 30 % auf das Rotwild, 60 % auf das Damwild, 8% auf das Davidswild und 2 % auf Muffelwild.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Jagd war die Themenstellung des Referates von Dr. Walter Bremberger. Er kam zu folgendem Ergebnis: „Aus Wildbretverkauf, Pachten, Abschussverkäufen und Ankauf von Ausrüstungsgegenständen sowie Steuern und Abgaben werden Millionenbeträge umgesetzt und sind hunderte Arbeitsplätze gesichert. Der gesamte Wirtschaftswert der Jagd in Oberösterreich kann somit auf über 50 Millionen Euro angesetzt werden.“

Hase, Fasan, Wildente, Reh, Hirsch, Gams  bieten einen hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Omega-3 und Omega -6 Fettsäuren). Diese Fettsäuren kann der Mensch nicht selbst produzieren, sind aber für seine Gesundheit sehr wichtig. Durch die artspezifische Bewegung und Nahrungsaufnahme bilden sich die hohen Anteile an diesen mehrfach ungesättigten Fettsäuren bei den genannten Wildtieren und ergeben im Vergleich zu den bekannten Haustieren einen bedeutenden Unterschied, so die Schlussfolgerungen des Referates von o. Univ.-Prof. Dr. Walter Arnold vom Institut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinär-Medizinischen Universität Wien.

Haubenkoch und Unternehmer Toni Mörwald hielt ein Plädoyer für bewusstes Essen und Kochen. „Die Lebensqualität der Menschen ist in enger Verflechtung mit den Produkten, die er isst, wie er sie zubereitet und mit welcher Haltung er diese zu sich nimmt“, so Toni Mörwald.

Schülerinnen und Schüler der Berufsschule Linz 10 unter Anleitung der Lehrer SR Matthäus Segner, Gerald Moser und Ing. Thomas Hinterholzer BEd. präsentierten ihre eigens für diese Tagung veredelten Wildkostbarkeiten, wie Rehschinken, Rehsalami, Rehpasteten, Rehcabanossi und begeisterten die zahleichen Besucherinnen und Besucher mit Kostproben. In gleicher Weise wurden die Rotwildprodukte von Hermann Schwarz aus Urfahr und die Damwildkostbarkeiten der Familie Watzenböck aus Prambachkirchen genussvoll konsumiert.

Der krönende kulinarische Abschluss dieser speziellen Fachtagung war das feine Rehwildbuffet, zubereitet von der Schulküche der HLBLA St. Florian.

Alle Vorträge sowie Fotos dieser Tagung finden Sie unter: www.hlbla-florian.at/Wild